Apfelspeise á la „Kaufmann von Lippstadt“

Wieder ein historischer Roman, der mich zum Kochen brachte.

Ferdinand Overkamp, die Hauptfigur in Der Kaufmann von Lippstadt mochte es 1764 – wie damals üblich – typisch westfälisch:

„Sagen Sie ihr, ich möchte eine Apfelnachspeise mit Zimt. Heute noch“, sagt Overkamp fordernd.

„Aber es ist doch schon beinahe Abend. Vielleicht …“

„Ich sagte, heute noch!“

Oh, da muss ja einiges vorgefallen sein. Bei dieser Laune ist Zimmet genau richtig, war er ja so eine Art frühes Psychopharmakon zur Stimmungsaufheiterung. Aber darüber ist unten mehr zu lesen.

Mich hat das Buch dazu animiert, ein gutes Apfelmus mit viel Zimt zu zaubern mit ein paar flaumig-zarten Topfennockerln (dt: Quarkklöße).

Apfelspeise2

Apfelmus

  • 4 Äpfel
  • Zimt
  • echte Vanille
  • Honig
  • ev. 2 cl Apfelschnaps

Die Äpfel schälen, vierteln und in etwas Wasser weich dünsten, mit Zimt, Vanillezucker und etwas Honig nach Geschmack würzen. Ich versuche meist, mit Zimt und echtem Vanillezucker auszukommen, da die Äpfel meist süß (leider nicht immer) genug sind. (Der Teil, der nicht für die Kinder bestimmt ist, kann noch mit etwas Apfelschnaps veredelt werden.)

Topfennockerl

  •  250 gr Topfen
  • 1 Ei
  • 2 EL Buchweizenmehl
  • 2 EL Grieß
  • 2 EL Kokosöl nativ (Rapunzel)
  • ev. etwas Butter

Den Topfen mit Ei,  Buchweizen, Grieß und Kokosöl verrühren und zirka 30 Minuten ruhen lassen. Dann mit zwei Löffeln Nockerl formen und in siedendem Wasser ca. 10 Minuten ziehen lassen. Die fertigen Topfenknöderl könnte man noch mit etwas flüssiger Butter, Bröseln und Zimt servieren.

Apfelspeise

Bei Zimt sollte nur Ceylon-Zimt verwendet werden und kein billiger Cassia-Zimt, der meist aus China kommt. Ceylon-Zimt ist die beste Zimtsorte der Welt und enthält weniger Cumarin als Cassia-Zimt. Cumarin kann in größeren Mengen Erbrechen, Kopfschmerzen oder Schwindel verursachen.

In kleineren Mengen aber ist Zimt – und hier vor allem der echte Ceylon-Zimt – ein Gewürz, dem vielfältige Heilkräfte nachgesagt werden. So ist im 1714 erschienen „Natur- und Materialienbuch“ des Gießener Arztes Michael Bernhard Valentini zu lesen:

Was den Nutzen anbelangt, so erquicket der Zimmet mit seinen flüchtigen und aromatischen Teilchen die Lebensgeister und stärket mit seinen übrigen erwärmenden und mässig anhaltenden Krafft den Magen und wird derowegen in Ohnmachten, Herzklopfen, Magenweh und Bangigkeit verschrieben. Auch ist der Zimmet in den Hauptkranckheiten als dem Schlag, Flüssen und dergleichen sehr dienlich, absonderlich denjenigen, welche aus dem Magen herrühren.

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Also, wie oben schon erwähnt, Zimt ist ein Stimmungsaufheller und das hatte Der Kaufmann von Lippstadt notwendig, denn 1764, nicht lange nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges, macht eine gewaltige Explosion die Stadt beinahe dem Erdboden gleich. War das ein Unfall? Dann verschwinden Menschen. Nur Zufall? Eine Zunge wird gefunden. Ein Zeichen?

Rita Maria Fust hat ihren historischen Roman, der zum Großteil in der Vergangenheit spielt und einen realen Hintergrund besitzt, noch mit zwei Morden und etwas Liebe gewürzt. Herausgekommen ist ein packender Roman, an dessen Fortsetzung schon geschrieben wird.

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3 Gedanken zu “Apfelspeise á la „Kaufmann von Lippstadt“

  1. Hat dies auf Rita Maria Fust rebloggt und kommentierte:
    Meine Gmeiner-Verlags-Kollegin ELIS FISCHER schreibt nicht nur Romane (Die Kunstjägerin), sondern führt auch einen Blog: EINFACH GESUND ESSEN!
    Ich freue mich, dass sie die Leibspeise vom KAUFMANN VON LIPPSTADT nachgekocht hat.
    Ich bin sicher, es hätte ihm geschmeckt …
    DANKE, liebe Elis!

  2. Über den echten Ceylon-Zimt habe ich letzte Woche noch einen Bericht im TV gesehen. Ich muss gestehen, dass ich da bisher gar nicht drauf geachtet habe. Die Qualität dieses sensationellen Gewürzes ist aber tatsächlich entscheidend und kann sogar die Gesundheit beeinflussen. Gleich am nächsten Tag bin ich losgezogen und habe echten Ceylon-Zimt gekauft. Der Preis ist schon sportlich, aber die Gesundheit viel zu kostbar für Billigprodukte. Dann lieber weniger und seltener, dafür qualitativ unbedenklich. Super leckeres Rezept übrigens! Ich liebe alles mit Äpfeln und Zimt!

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