Über die Wichtigkeit von Lesungen

In einem Schriftstellerforum wurde vor ein paar Jahren besprochen, ob Lesungen überhaupt notwendig sind, was sie bringen und ob man als Autor lesen „muss“ – wenn man eigentlich nur schreiben möchte. Die Diskussion war sehr interessant, da auch ich vor dieser Entscheidung stand. Nach zwei  Büchern und viel Leseerfahrung  kann ich für mich sagen: Lesungen sind wichtig!

Saenger

Ja, man fühlt sich schon ein bisschen wie ein Zirkuspferd, wenn man vor erwartungsvollen Menschen steht (sitzt), die nun gut unterhalten werden wollen. Denn vorlesen allein genügt nicht. Man muss fehlerfrei vortragen, dann sollte man Hintergründe des Buches erläutern, Anekdoten aus seinem Leben erzählen, unzählige Fragen beantworten – mit einem Wort, man sollte schlagfertig und witzig sein. Hmmm, habe ich den Beruf des Schriftstellers nicht auch deshalb gewählt, um lange an einem Satz feilen zu können?

Gut, es ist nicht so schlimm, wie es sich anhören mag. Ich bin zwar immer extrem nervös, denn jede Lesung ist eine Herausforderung – weil anders, unberechenbar und voller Überraschungen. Aber wenn man merkt, dass das Geschriebene beim Publikum ankommt, dass an den richtigen Stellen gelacht wird oder wenn es ganz ruhig ist, obwohl man schon 45 Minuten liest, dann weiß man, dass sich das Lampenfieber gelohnt hat.

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Ich hatte tolle Leseorte und las mit großem Equipment hinter mir auf dem Kunstgeschichte-Institut der Uni Wien, oder mit kleinem Anschauungsmaterial vor mir …

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…ich las in barocken Schlössern, in Gärten, Bibliotheken, auf Schiffen und in Wohnzimmern.

Aber mein schönstes Erlebnis hatte ich im Oberstufenrealgymnasium der Wiener Sängerknaben im Augartenpalais. Nachdem ich mit der Lesung fertig war, viele interessante Fragen beantwortet, etwas über das Leben einer Schriftstellerin erzählt und die Schüler wegen der Verfilmung „Der Kunstjägerin“ auf ca. 2020 vertröstet hatte, bat ich, ob sie nicht etwas für mich singen könnten. Und wirklich – einer der Achtklässler stand auf, begann zu dirigieren und das gesamte Auditorium wurde plötzlich zu einer einzigen Stimme, zu einem Instrument. Diese großartigen Künstler sangen für mich allein einen Mozart – wie es schien aus dem Stehgreif.  Und als mir die Gänsehaut den Rücken rauf und runter jagte und ich den Tränen nahe war, wusste ich, dass ist einer der Momente, für die sich alles, alles lohnt!

Und noch etwas fällt vielleicht auf: Ich habe ein Lese-Outfit. Andere glauben an ihre Glücksbringer, ich an mein Outfit. Als ich bei einem Vortrag von Vera Birkenbihl hörte, dass man bei einer Rede das anziehen sollte, worin man geprobt hatte, übernahm ich den Tipp für meine Lesungen. Das bring auch eine gewisse Kontinuität auf meinen Fotos 🙂 Nur ab und zu, wenn das blaue Outfit gewaschen wird, kommt das grüne – gleich geschnittene – zum Einsatz.

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